Tasmanien Reisebericht
Die unberührte Wildnis Tasmaniens
Der Overland Track im Nationalparkgebiet Cradle Mountain – Lake St. Clair zählt laut National Geographic zu den Top 10-Highlights Australiens. Der bekannteste Wanderweg in Tasmanien umfasst eine Strecke von über 80 Kilometern und ist eine Herausforderung selbst für ausdauernde und geübte Bergsteiger. Neben der allgemeinen Nationalparkgebühr muss jeder Teilnehmer 160 Dollar für die Begehung des Tracks bezahlen, außerdem dürfen täglich nur maximal 35 Leute starten.
Anfahrt
Um zum Cradle Mountain zu gelangen, ist vorerst ein Flug nach Launceston und von dort eine Busfahrt von zirka drei Stunden mit dem regionalen Tassielink für 50 bis 100 Dollar nötig. Wer lieber per Schiff anreisen möchte, kann die Fähre „Spirit of Tasmania“ von Melbourne aus nehmen und bei Devonport in den Bus zusteigen. Jeder Teilnehmer muss sich vor 15 Uhr im Cradle Mountain Visitor Center registrieren, um die erste Passage noch am selben Tag begehen zu dürfen. Die Wetterverhältnisse beeinflussen stets die Dauer der Wanderungen, empfehlenswert ist der Overland Track allerdings nur während der wärmeren Sommermonate. Jeder Teilnehmer erhält nach der Registrierung einen Ausweis, der vom verantwortlichen Ranger ab und zu kontrolliert wird.
Anstieg zum Cradle Mountain
Am ersten Tag verlangt der Overland Track den Wanderern besonders viel Energie ab. Nachdem Start in Ronny Creek erfolgt ein steiler Anstieg in Richtung Marions Lookout. Vorbei an Buttongraslandschaften, dem klaren Crater Lake und den ersten Regenwäldern begeben sich die Wanderer hoffnungsvoll hinauf zum Plateau, das bereits den ersten traumhaften Ausblick über den Nationalpark verspricht. Vom Lookout sieht man nicht nur die Bergspitzen und den Dove Lake, sondern viele verschiedene kleinere Seen, deren Farbe dunkelblauer Tinte ähnelt. Durch das tasmanische Hochland führt der Weg weiter zum Cradle Mountain und Barn Bluff, deren Gipfel bei Schönwetter zur Erklimmung einladen. Sidewalks sollten im Vorfeld genau geplant werden, da das Tagesziel stets noch vor Dunkelheit erreicht werden sollte. Alle Wanderer müssen aus Sicherheitsgründen ein Zelt im Backpack mitführen, das im Notfall immer als Schlafmöglichkeit dient.
Vom Waterfall Valley zum Lake Windermere
Die erste Nacht verbringen vernünftige Hiker in der Hütte bei Waterfall Valley, das sich noch über 1000 Meter über dem Meeresspiegel befindet. Die Nächte dort sind kalt, manchmal ist der Boden morgens gefroren. Ein Platz in der warmen Hütte ist auch bei sehr gutem Outdoor Equipment empfehlenswert. Das nächtliche Treiben der Tiere beobachtet man dort am bestens beim After Dark Walk mit der Taschenlampe. Früh am Morgen trifft der Reisende hier außerdem auf richtige Wallabyfamilien. Nachdem anstrengenden ersten Tag fühlt sich die Wanderung vom Waterfall Valley zum Lake Windermere eher an wie ein Spaziergang. Der Weg durch einsame Buttongraslandschaften und Eukalyptuswälder führt außerdem vorbei am Lake Will, einem wunderschönen kleinen See unterhalb des Barn Bluffs, der auch zum Schwimmen geeignet ist. Lake Windermere ist vor allem ein Paradies für Tierliebhaber, denn rund um den See befindet sich eine besonders artenreiche Fauna. Neben der Bekanntschaft mit Wallabies, Pademelons, Quolls und Wombats ergeben sich im See Möglichkeiten den seltenen Platypus zu verfolgen.
Temperate Rainforest und Wasserfälle
Ab dem dritten Tag führt der Overland Track durch einen moosüberzogenen Zauberwald, der einem tagsüber magisch und nachts sicher gruselig erscheint. Um sich vor Moskitos zu schützen, die im Wald massenhaft lauern, sollte sich jeder Wanderer mit hautfreundlichem Insektenspray schützen. Auf dem Weg über die Frogs Flats zur Pelion oder Kia Ora Hut werden zahlreiche kleine Bäche, genannt Creeks überquert, die ebenfalls Heimat des Platypus sind. Auf der Strecke liegt außerdem der höchste Berg Tasmaniens Mount Ossa (1617 Meter), ein Muss für jeden begeisterten Bergsteiger. Das Marschiertempo der Besucher am Overland Track ist unterschiedlich, so verzichten manche auf kraftraubende Sidewalks. Doch den Abstieg zu den berühmten Wasserfällen in der Nähe der Bert Nichols Hut sollte niemand versäumen. Zu beeindruckend ist der Anblick der klaren Wassermassen, die den meterhohen Hang hinabstürzen. Den Abschluss des Tracks bildet der 200 Meter tiefe Lake St. Clair, der einen über die letzten Kilometer hinweg stets begleitet. Müde Wanderer können bereits bei der Narcissus Hut auf die Fähre ausweichen, die dreimal täglich über den tiefsten See Australiens verkehrt.
Resümee
Die Bewanderung des Overland Tracks ist zwar anstrengend und die Füße benötigen danach unbedingt eine Ruhepause, doch wer das wirkliche Abenteuer in der tiefsten Wildnis Australiens sucht, sollte unbedingt diesen einzigartigen Nationalpark besuchen. Die richtige Ausrüstung und der ausreichende Essensvorrat sind für die Qualität der Reise quer durch das tasmanische Hochland mitverantwortlich. Körperliche Fitness und Ausdauer ist für jeden Wanderer Grundvoraussetzung, denn der fünf- bis siebentägige Track sollte keinesfalls unterschätzt werden. Auf dem gesamten Overland Track gibt es weder Duschmöglichkeiten, noch Elektrizität. Wenn es abends dunkel wird, muss auch in der Hütte Ruhe einkehren, doch oft ist es das Schnarchen eines Mitreisenden, das einem den Schlaf raubt. Vom Lake St. Clair Visitor Center gibt es einen Tassielink nach Hobart, jedoch keine Verbindung nach Launceston. Der Bus fährt nicht jeden Tag. Das rustikale Derwent Bridge Hotel in der Nähe bietet sich also bei Schlechtwetter als günstige Übernachtungsmöglichkeit an, falls nach der anstrengenden Wanderwoche das Bedürfnis nach einem warmen Zimmer und heißem Wasser besteht.

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